Bericht des Münsterbaumeisters

Schlagzeilen vom 2. Juni 2017

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Nordquerhaus Winterbaustelle Grosser Kreuzgang

Um unser Arbeitsfeld in Abhängigkeit von der Aussentemperatur fristgerecht vom Chorpolygon auf die Winterbaustelle verlagern zu können, haben wir Ende Oktober 2016 damit begonnen, vier weitere Joche im Grossen Kreuzgang beidseitig ins Baugerüst zu nehmen und einzuhausen, d.h. wind- und wetterdicht zu verkleiden.

 

Alle Fugen auf der Seite zum Innenhof mussten entfernt werden, denn die bestehende Verfugung war entweder zu hart oder schadhaft. Nach dem Reinigen der Oberflächen mittels Jos-Rotationswirbelstrahlverfahren waren die staubintensiven Arbeiten für’s Erste abgeschlossen und damit auch das effektive Schadensbild freigelegt.

An den Verdachungen der Pfeiler zum Innenhof waren einzelne Krabben nur noch ruinös vorhanden. Hier haben wir uns in Absprache mit der Denkmalpflege für Rekonstruktionen mittels Vierungen in Sandstein entschieden. Als Erstes wurden Vorlagen in extrudiertem Polystyrol hergestellt.

Erfreulich zeigen sich die Resultate der sauber eingepassten und richtig pflanzlich anmutenden Krabbenvierungen im typischen Wiesentaler Sandstein. Hier zu bemerken sind die gestockten Oberflächen der Steinquader. Diese Steinüberarbeitung erfolgte im Kreuzgang sowie auch im Innern des Münsters anhand von Massnahmen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, wobei die originale mittelalterliche Oberflächenbearbeitung verloren ging.

Die originalen Blendmasswerke der oberen Pfeilerpartien mit den feingliedrigen Dreipassmotiven wurden mit kieselsolgebundenem Steinergänzungsmörtel wo notwendig komplettiert bzw. gewisse Fehlstellen als konsolidierende Massnahme lediglich angeböscht.

An einem Pfeiler zum Innenhof musste an der Verdachung eine erhebliche Vierung eingesetzt werden. Dieses grösste in dieser Etappe zu ersetzende Stück wurde auf dem Gerüst vorkonfektioniert, eingepasst und in Situ fertig gehauen.

Die Masswerkfenster zum Innenhof erforderten reichlich Zuwendung. Hier waren etliche lose oder bereits weggebrochene Endstücke festzustellen. Weiter bestanden an den Profilstäben cm-dicke Abplatzungen, auch viele Risse waren vorhanden.

In den vier Jochen dieser Restaurierungsetappe waren vier Teilstücke der Mittelgewände durchgerissen oder an der Oberfläche infolge Bindemittelverlust derart am Zerbröseln, dass sie nicht mehr gehalten werden konnten. So wurden in der Werkstatt hierfür neue Kopien hergestellt und in Abstimmung mit dem Arbeitsverlauf versetzt.

Wo angebracht, wurden Reparaturstellen der vorhergehenden Restaurierungsetappen überarbeitet, sodass der Grosse Kreuzgang trotz der über Jahre hinweg andauernden Instandstellungsarbeiten für den Betrachter homogen erscheint.

Zu guter Letzt erfolgt, wie dem regelmässigen Leser unserer Berichte bereits bekannt, das Verfugen. Der Farbton des Fugenmörtels wird dabei auf die Gesamtfläche eingestimmt, wobei hier gewisse Kompromisse unumgänglich sind.

Figur des Paulus

Am 18. April wurde an der Südwestecke des Münsters ein Gerüst erstellt und die Figur des Paulus für den Transport in die Werkstatt vorbereitet. Dieser Standfigur, dem Pendant des Petrus an der Nordwestecke, steht ebenfalls eine Restaurierung bevor. Petrus wurde inklusive der Vorarbeiten in den Wintermonaten der Jahre 2014-2016 restauriert.

In der Werkstatt der Münsterbauhütte angekommen wurde Paulus für die Herstellung eines Gipsabgusses vorbereitet, d.h. Risse geschlossen, Fehlstellen konsolidiert und als Trennmittel Schellack angetragen. Anschliessend konnte mit dem Abformen der Standfigur begonnen werden.

Weitere Arbeiten

In den Februarwochen wurde im Innenraum des äusseren nördlichen Seitenschiffs ein Baugerüst erstellt, sodass an dieser Stelle durch Pamela Jossi und Martin Stebler die Bleiverglasung restauriert werden konnte.

Am 8. Mai wurde das Gerüst im Kreuzgang demontiert und damit dieser Bereich dem Betrieb am Münster wieder übergeben. Wir arbeiten seitdem wieder auf der Hauptbaustelle am Chorpolygon oberhalb der Chorterrasse. Hier gilt es die im September 2016 begonnenen Arbeiten an den Fassadenflächen, den Chorfenstern und den Strebebögen fortzusetzen und damit auf der schönsten Terrasse Basels weiter zu arbeiten. Wir bleiben dran!

Mit besten Grüssen

Andreas Hindemann und das Team der Basler Münsterbauhütte

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