Bericht des Münsterbaumeisters

Schlagzeilen vom 29. Oktober 2018

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Hauptbaustelle Chorpolygon II

Auf dem Emporengeschoss, im Durchgang der äusseren Galerie zur Chorempore des Innenraums mussten wir im Schwellenbereich baulich intervenieren, d.h. die bestehende Blockstufe neu kopieren und diese bei ziemlich knappen örtlichen Verhältnissen einbauen.

Spannend waren die Arbeiten in diesem nach Süd-Süd-Ost gerichteten Segment besonders, weil wir vermehrt auf Spuren des Wiederaufbaus nach dem Erdbeben von 1356 gestossen sind.

Die Fugen der giebelförmigen Verdachungen auf den Strebepfeilern 8 und 9 waren bisher grösstenteils in Blei verfugt, was wir, wo notwendig, auch wieder in dieser Technik zur Ausführung gebracht haben.

Im Turmschaft des ehemaligen nördlichen Chorflankenturms bestand auf dessen Ostseite noch eine Pendenz, indem die von uns seit Längerem geschaffene Lücke zu schliessen war, die durch den Ausbau eines schadhaften und nicht mehr haltbaren Molassesandsteins entstanden war.

Für den Strebepfeiler 8 galt es, ein giebelförmiges Verdachungsstück neu zu kopieren, da das vorhandene Stück in seinem Steinlager extrem aufgeblättert war. Das Ersatzstück wurde weitgehend vorkonfektioniert und die Oberfläche erst nach dem Versetzen à Niveau gebracht. Auf diese Weise war es möglich, einen sauberen Anschluss zu den angrenzenden Steinen auszubilden.

Beim Ausfugen ist Teamwork immer besonders gefragt, denn da muss es „in einem Guss“ vorwärtsgehen, so auch auf dem Emporengeschoss Süd-Ost bei der gotischen Wirbelrosette. Durch das Einbringen des Fugenmörtels wird das Mauerwerk jeweils zu einer einheitlichen Fläche geschlossen, wodurch sich diese optisch zusätzlich beruhigt.

An bauseitigen Arbeiten sind in diesem Arbeitsabschnitt gewisse Spenglerarbeiten im Unterhalt und zur Verbessrungen der Wasserabführung erfolgt. Für das südöstlich gelegene romanische Fenster des Hochchors musste aus Metall ein neues Schutzgitter hergestellt werden.

Zu guter Letzt wurde das für diesen Abschnitt im letzten Winter in Lahrersandstein neu kopierte Teilstück der Masswerkbrüstung eingesetzt und dessen Anschlussfugen verbleit. Wir hatten damit zugewartet, um an dieser Stelle einen Arbeitszugang von der Chorterrasse zum Baugerüst zu haben. Nun ist die Hauptbaustelle Chorpolygon II nach 14 Monaten abgeschlossen.


Hauptbaustelle Chorpolygon III

Die Hauptbaustelle Chorpolygon III vollzieht sich zwischen Chorpfeiler 8 und Chorpfeiler 7 inklusive der dazwischenliegenden Wandpartie. In der Höhe besteht dieser Abschnitt vom Terrain bis und mit Masswerkbrüstung der Chorterrasse. Nun ist der gegen Osten ausgerichtete mittlere Teil des Chorpolygons bis auf Weiteres hinter dem Gerüst verborgen. Dahinter haben die Arbeiten der Münsterbauhütte bereits begonnen:

Die bestehenden Mörtelfugen mussten auch hier aufgrund ihrer teilweise zu hohen bzw. auch zu geringen Konsistenz komplett herausgetrennt werden. Danach wurde die Wandfläche mit Hochofenschlacke mittels JOS-Rotationswirbelstrahlverfahren gereinigt und bereits wenige, nicht mehr haltbare und deshalb zu kopierende Steine ausgebaut.

Ebenfalls seit Längerem bereits erfolgt ist die Herstellung einer neuen Kopie eines Teilstücks des Kaffgesimses, auf welchem die Masswerkbrüstung der Chorterrasse steht. Die Anpassungs- und Versetzarbeiten der neuen Kopie war eine der ersten Tätigkeiten, die unser neuer Mitarbeiter, Steinmetzmeister Markus Himmelsbach vollzogen hat.


Baustelle Kreuzganghalle Westkorridor

Als Nebenbaustelle haben wir von Anfang August bis Mitte Oktober in der Kreuzganghalle gearbeitet. Der Sandsteinboden im Westkorridor der Kreuzganghalle war derart schadhaft, dass wir diesen soweit als möglich mit Mörtelantragungen und teilweise sogar im Austausch von Bodenplatten reparieren mussten, um hier den vielen Besuchern ein stolperfreies Begehen zu ermöglichen. Entsprechende Arbeiten werden uns demnächst auch im Süd- und Westkorridor des Grossen Kreuzgangs bevorstehen.


Weiteres

In den Büros in der Rittergasse und im St. Alban-Tal erfolgen laufend Dokumentations- und Archivierungsarbeiten, die Einsatzplanung der Mitarbeiter und die Planung der weiteren Baustellenabläufe, diese auch im Zusammenhang bzw. im Abgleich mit unseren finanziellen Vorgaben. Zudem rückt es näher, das Jubiläum „1000 Jahre Heinrichs-Münster Basel 2019“ und deshalb sind wir auch hier in den Vorbereitungen, damit wir zusammen mit Ihnen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, im nächsten Jahr unser Basler Münster in spezieller Weise würdigen können.

Mit besten Grüssen

Andreas Hindemann und das Team der Basler Münsterbauhütte

Ausführlicher Bericht unten

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