Fünf gotische Schlusssteine in den äusseren Seitenschiffen

Die Schlusssteine mit Blattmasken im Basler Münster stammen aus der 1. Hälfte des 14. Jh. Die Farbfassung entspricht der Fassung um 1850.

Gesichter, die aus einem Blattwerk blicken, gab es schon in der Antike. Auch in den Kirchen des Mittelalters kann man sie immer wieder entdecken, namentlich in England. Dort werden sie Green Men genannt.

Die Blattmasken, welche von der Höhe herab auf den Betrachter blicken, haben etwas Heidnisches an sich. Ihre Gesichter wirken oft dämonisch, manchmal aber auch freundlich gelassen. Das üppige Blattwerk wächst ihnen aus dem Mund oder den Ohren und umrahmt  schwungvoll ihre Gesichter, immer aber fixieren die Augen den Betrachter. Sie lassen  heutzutage vielerlei Deutungen zu:

Sollen sie Teuflisches bannen und eine Schutzfunktion ausüben? Dafür würden die dargestellten Pflanzen sprechen, wie z.B. die Zweige des Weissdorns. Sie schützten, so glaubte man seit vorchristlicher Zeit, vor Blitz und Unheil. Oder die Blätter der Pfingstrose, eine klassische Heilpflanze, welche auch Maria zugeordnet wird (Maria, die Rose ohne Dorn). Oder sind die Green Men Sinnbilder der ungezähmten Natur, weisen aber gleichzeitig auch auf den Kreislauf der Natur hin (Werden und Vergehen)? Sicher zeigen sie auf anschauliche Art das Miteinander von Mensch und Natur.

Der Eindruck, den die Blattmasken mit ihren Augen im dunkeln Münster auf den Betrachter machten, muss im Mittelalter stark gewesen sein. Sie faszinieren aber auch heute noch. Die Kathedralen waren  Ausdruck der Welt, in der alles seinen Platz hat: Engelscharen und Heilige, aber auch die Natur, der Tod und selbst die teuflischen Wesen, alles ist eingefügt in die göttliche Ordnung.

Literatur: Andrea Vokner: Engel, Menschen, Tiere, Verborgene Schätze am Basler Münster, Museum kleines Klingental, Basel 2003