Frage: Kürzlich entdeckten wir bei einer Besichtigung des Münsters hinten am Chor ein Steinmetzzeichen. Könnten Sie mir etwas darüber sagen?  G.S. aus Taunusstein

Wer sich einmal die Mühe gibt, am Münster nach Steinmetzzeichen zu suchen, ist einige Zeit beschäftigt und zugleich fasziniert von der Vielfalt der entdeckten Zeichen.

 
Steinmetzzeichen am Basler Münster

Jeder Steinmetz hatte sein eigenes Zeichen, das er bei seinem fertig behauenen Stück anbrachte. Damit konnte sein Lohn nach Anzahl behauener Stücke berechnet werden. Der Steinmetz brachte aber sein Zeichen auch mit Stolz und deutlich sichtbar bei besonders schönen figürlichen Darstellungen an (zum Beispiel an der Kanzel im Basler Münster Hans von Nussdorf).      

        
Kanzel im Basler Münster von Hans von Nussdorf

Es gibt einiges Unerklärliches  an diesen Zeichen, deshalb bleiben sie immer etwas geheimnisvoll. Zu den Hüttenordnungen im Mittelalter gehörte nämlich auch eine gewisse Geheimhaltung. Jedoch weiss man, dass jedem Gesellen nach der Lehrzeit sein eigenes Signet, also Steinmetzzeichen, zugesprochen wurde. Jeder Geselle hatte somit sein eigenes, einmaliges Zeichen. Das Zeichen ist aufgebaut aus dem Grundriss der vergebenden Bauhütte. Die Zeichen variieren in den verschiedenen Jahrhunderten in der Grösse.  Zum Teil waren es ursprünglich figürliche Darstellungen, die sich zu abstrakten, geometrischen Formen wandelten. Anhand des Grundrisses, auf welchem das Zeichen aufgebaut ist (Quadrat, Triangel, Dreipass, Vierpass), lässt sich der Ort der Ausbildung, der Weg des wandernden Steinmetzgesellen und die ungefähre Zeit seines Wirkens herauslesen und verfolgen.

Bilder von Steinmetzzeichen am Basler Münster

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